Wenn der Alltag zu laut wird und der Körper leiser antwortet als gewünscht, ist es Zeit für eine Pause. Ich habe sie im Diana Naturpark Hotel in Oberstaufen gefunden – und vier Tage lang gelernt, was es bedeutet, wirklich bei sich zu sein.
Der erste Atemzug nach dem Eintreten sagt schon alles: Zitrone. Frisch, klar, einladend. Kein schwerer Hotelgeruch, sondern das stille Versprechen, dass hier etwas anders ist. Das Diana Naturpark Hotel liegt mitten in Oberstaufen, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Nagelfluhkette. 1970 von Inge und Albert Weiß erbaut und nach der Jagdgöttin Diana benannt. Mehr als fünfzig Jahre später trägt Enkeltochter Sandra Ammer das Haus weiter; mit derselben Wärme, die man von der ersten Minute an spürt. Seitdem gehört auch das Basenfasten fest zum Programm des Hotels. Vater Rudi Ammer kocht heute aus Leidenschaft. Mit sichtbarer Freude zaubert er täglich die feinen basischen Gerichte auf den Tisch. Ein schönes Bild, dieses Zusammenspiel der Generationen.

Was das Diana so besonders macht, ist nicht nur die Familie selbst, sondern auch die Menschen, die mit ihr gewachsen sind. Manche Mitarbeitende sind seit dreißig Jahren dabei. Man spürt das in jeder Begegnung. Kein aufgesetztes Lächeln, sondern echte Vertrautheit. Noch an der Rezeption begrüßt mich Sandra persönlich und gibt mir einen Plan für die Woche mit auf den Weg. Und wer dann sein Zimmer betritt, findet alles bereitgelegt: basisches Salz für das Fußbad, eine Trockenbürste, einen Wasserkocher für den Kräutertee und die Wärmflasche für die Leberwickel. Alles da. Diese vorausschauende Fürsorge zieht sich durch den gesamten Aufenthalt.
Tag 1: Ankommen, loslassen, zuhören
Der erste Abend gehört dem Ankommen und dem Kennenlernen. Bei einer wärmenden Kartoffelsuppe und einem eigens mit einer Bäckermeisterin entwickeltem basischen Brot sitze ich mit anderen Gästen am Tisch. Wir führen Gespräche, wie sie nur entstehen, wenn alle aus demselben Grund hier sind: um kurz innezuhalten. Danach gibt es eine Einführung in die Woche: Hormonsystem, Leberwickel, Einlauf. Themen, über die man im Alltag selten spricht, hier aber ganz offen und frei von Scham.

Tag 2: Die Entdeckung des langsamen Kauens
Jeder Morgen beginnt gleich und doch immer ein bisschen anders: ein wärmendes Porridge mit wechselnden frischen Früchten, mal Erdbeeren, mal anderem saisonalem Obst. Wer zwischendurch Hunger bekommt, findet jederzeit Obst und Mandeln oder getrocknete Feigen und Datteln für den Moment, wenn der Gusto auf etwas Süßes kommt. Nach dem Frühstück erkunde ich Oberstaufen zu Fuß und bin überrascht, wie lebendig die kleine Stadt ist, wie viele Geschäfte es zu entdecken gibt. Mittags die vielleicht unscheinbarste, aber wirkungsvollste Lektion der Woche: ultralangsames Kauen. Dreißig Mal pro Bissen. Der Körper beginnt die Verdauung bereits im Mund und wie selten gönnen wir ihm diese Zeit. Nachmittags lasse ich mich von der Sauna weich werden und abends gibt es zarten Spargel. Dann eine geführte Meditationsreise, die tiefer geht als erwartet, und ein Vortrag über die Kraft der Bitterstoffe. Ich schlafe früh, tief und träume lebhafter als sonst.



Tag 3: Stille, Natur und ein Wasserfall
Das Morgenprogramm heißt heute „Achtsam in der Natur”. Fünf Minuten Stille mit geschlossenen Augen, Gehmeditation, den Fokus auf einen einzigen Punkt in der Ferne richten. Klingt simpel; ist es aber nicht. Genau deshalb so wertvoll. Danach tauche ich in den 29-Grad-Pool und lasse mich im warmen Whirlpool treiben. Am Nachmittag führt eine Wanderung durch grüne Wiesen und Wälder in allen Frühlingsfarben hinab zu einem rauschenden Wasserfall. Erschöpft und glücklich kehre ich zurück. Die cremige Broccoli-Suppe schmeckt wie eine Belohnung. Abends folgt der Impulsvortrag, der mich am meisten beschäftigt: unsere Organe und ihr Einfluss auf das Wohlbefinden. Voller Aha-Momente. Danach ein basisches Fußbad – und ich schlafe wie ein Kind.


Tag 4: Freiheit am Bodensee
Mittwochmorgen und ich entscheide mich für meinen eigenen Rhythmus. Mit dem Allgäuer Walser Pass in der Tasche und einem liebevoll gepackten basischen Lunchpaket vom Hotel breche ich zum Bodensee auf. Lindau empfängt mich mit idyllischen Gassen, glitzerndem Wasser und einer Bootstour, die den Kopf so weit macht wie den Blick. Zurück im Hotel: Sauna, Stille, Nachklingen. Abends eine Karotten-Kartoffel-Pfanne mit Mandeln und ein Vortrag, der perfekt in diesen Aufenthalt passt: Hormone und die Wechseljahre. Wir erfahren, wieso Ernährung dabei eine so große Rolle spielt und wie man achtsam gegensteuern kann. Fußbad, Leberwickel: Rituale, die nach wenigen Tagen schon vertraut und fast unverzichtbar geworden sind.

Tag 5: Leichter als zuvor
Am letzten Morgen noch ein kleiner Aufstieg zum Sonnenaufgang, ein letztes kurzes Schwimmen und dann: Abreise. Mit einem Körper, der sich leichter anfühlt, und einem Kopf, der ruhiger ist. Was bleibt, ist mehr als das Gefühl einer gelungenen Auszeit. Es sind die Impulse der Vorträge und die leise Erkenntnis, dass ganzheitlich an sich zu denken kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit. Besonders stimmig ist das Angebot „Basenfasten in den Wechseljahren“ – für Frauen ab 40+ mit dem Ziel, Körper, Geist und Hormonsystem wieder in Einklang zu bringen. Beschwerden wie Erschöpfung, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen können sich dabei spürbar verbessern.



Das Diana ist kein Hotel, das mit großem Spa-Spektakel beeindruckt. Es beeindruckt anders: mit Herzlichkeit, die keine Maske ist, mit einer Familie, die ihr Haus lebt und mit einem Team, das seit Jahrzehnten dazugehört. Man kommt als Gast und geht mit dem Gefühl, kurz Teil von etwas Echtem gewesen zu sein.





