Die Autorin und Moderatorin über ihr neues Buch Wie kann sie nur? und den alltäglichen Wahnsinn, eine Frau im Internet zu sein.
Sophie, welche Situation im Internet hat dich zuletzt sprachlos gemacht?
Ich wäre froh, wenn ich mal sprachlos wäre – meistens diskutiere ich lieber. Neulich habe ich ein Foto von der Berlinale-Eröffnung gepostet. Ich war gut angezogen, geschminkt und frisiert, trug tollen Schmuck – und dann wurde von einigen kommentiert, dass daran ja nichts mehr natürlich sei. Das hat mich wahnsinnig sauer gemacht, denn warum sollte ich auf dem wohl schönsten Red Carpet Deutschlands ungeschminkt im Pyjama erscheinen?
Was hasst und liebst du am Internet?
Ich hasse, dass Leute ihren emotionalen Müll bei Fremden abladen und längst über alle
Berge sind, wenn man mit ihnen diskutieren möchte. Und ich liebe, dass ich mit einer riesigen Menge von Frauen weltweit kommunizieren und sehen kann, wie ihre Leben verlaufen.
Von Charli XCX bis Taylor Swift – warum faszinieren uns Frauen, die sich inszenieren, und warum kippt das schnell in Häme?
Die meisten Frauen in meinem Buch unterhalten die Öffentlichkeit mit Musik, Filmen oder Büchern. Zunächst ist das eine normale Faszination für Kunst und Unterhaltung. Das Besondere an Frauen ist, dass wir antrainiert bekommen haben, zu glauben, dass wir ein Mitspracherecht in Bezug darauf hätten, wie ihre Karrieren laufen, wie sie aussehen, wen sie daten. Insgeheim suchen wir oft nach dem Moment, in dem wir unsere Lieblingskünstlerin scheitern sehen können. Dafür gibt es sogar einen popkulturellen Begriff: womaned.
Hat sich dein eigenes Auftreten in den sozialen Medien durch dein Buch verändert?
In den letzten Monaten ist in mir eine große Lustlosigkeit in Bezug auf Social Media gewachsen. Früher habe ich vor allem Instagram geliebt und hielt Social Media für einen guten Weg, sich mit Leuten zu verbinden. Im Moment hadere ich mit der Schnelligkeit und Selbstgerechtigkeit, mit der dort böse Dinge geschrieben werden, ohne jedes Schuldbewusstsein. Wahrscheinlich liegt es am Buch, dass sich mein Blick darauf verändert hat, ja.
Dein Blick auf Popkultur ist oft humorvoll. Ist Humor eher Waffe, Schutzmechanismus oder elegante Kritik für dich?
Ein Psychoanalytiker würde wohl sagen Abwehrmechanismus, Schutz und noch 14 andere schlechte Sachen. Für mich ist Humor ein guter Weg, das, was ich sagen will, eleganter zu formulieren – in der Hoffnung, dass auch Leute zuhören, die es eigentlich nicht hören wollen.
Sophie Passmann: Wie kann sie nur?
Klug, witzig und schonungslos ehrlich: Sophie Passmann beleuchtet scharf und selbstkritisch den Druck, dem Frauen im Netz ausgesetzt sind.

WIE KANN SIE NUR?
Kiepenheuer & Witsch | 240 Seiten | 23,00 €

