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Im Gespräch: Mit Autorin Laura Fröhlich

Autorenbild: RedaktionRedaktion

Aktualisiert: 21. März

Mental Load, unsichtbare To-dos und die Herausforderung, Familie und Beruf in Balance zu halten – ein Problem, das viele Eltern kennen. Oft lastet der Großteil der Care-Arbeit auf einer Person, während der mentale Stress immer weiter zunimmt. Doch es geht auch anders: mit klarer Organisation, gerechter Aufgabenverteilung und echtem Teamwork.

Laura Fröhlich ist Mental-Load-Expertin, Autorin und Ratgeberin für eine gerechtere Familienorganisation und zeigt in ihrem neuen Buch„Familie als Team“ (ET 11.03.) konkret auf, wie Familien ihren Alltag fairer gestalten können. Mit praxisnahen Strategien und konkreten Lösungen hilft sie Eltern, Care-Arbeit besser aufzuteilen und dadurch mehr Entlastung und Gleichberechtigung im Familienleben zu schaffen.


Für GLOW ist dieses Thema essenziell, denn eine gerechte Aufgabenverteilung bedeutet nicht nur weniger Stress, sondern auch eine nachhaltige Veränderung im Familienleben und in der Gesellschaft. Wie kann Familienarbeit effizienter organisiert werden? Welche strukturellen Veränderungen sind nötig, um Eltern zu entlasten? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Laura Fröhlich im Interview.

 

Ihr Buch Familie als Team beschäftigt sich mit Mental Load und gerechter Aufgabenverteilung. An wen richtet sich das Buch genau – hoffentlich auch an die Väter?

 Ich habe es sogar speziell für Väter geschrieben, obwohl es geschlechtsneutral alle Eltern anspricht. Generell richtet es sich an Paare, die sich Care-Arbeit teilen möchten, auch mit den Kindern. Ich wollte ein Buch schreiben, dass Männer in die Hand nehmen. Dafür habe ich einen ganz praktischen Ansatz gewählt: Werkzeuge, Tools und Tipps, eine Anleitung für ein Küchenmeeting und vor allem die Erklärung, was Familien davon haben, wenn sie im Alltag und bei der Kinderbetreuung als Team agieren. Es gibt viele Bücher über Mental Load, darunter mein erstes, „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles.“ Hier beschreibe ich strukturelle Schwierigkeiten und die Diskriminierung von Frauen bezüglich der Fürsorge-Arbeit. Mein neues Buch ist anders, es ist „hands on“. So wichtig das Thema gesellschaftspolitisch ist, so wenig ändert sich leider im Alltag. Nun probieren wir es mal so und ich habe große Hoffnung, dass Väter Spaß daran finden, sich die Arbeit aufzuteilen.

 

Danke, dass Sie diesem wichtigen Thema eine Stimme geben und es anhand vieler Alltagsbeispiele greifbar machen. Können Sie ein Beispiel nennen, das besonders deutlich zeigt, wie Mental Load funktioniert?

 Gerade Frauen kennen es! Schon wenn sie morgens aufwachen, haben sie To-do-Listen im Kopf und arbeiten sie ab. Brotboxen füllen, WhatsApp-Nachrichten beantworten, Wäsche waschen. Dabei fällt auf, dass Waschmittel fehlt. Das schreibt sie dann auf den Einkaufszettel. Dann auf dem Weg ins Büro einen dringenden Arzttermin übers Handy ausmachen. Nach Feierabend geht sie einkaufen, Waschmittel nicht vergessen. Der Kalender wird gecheckt und To-dos abgearbeitet. Es fühlt sich nie wie Feierabend an, sondern es kommen laufend neue Aufgaben dazu. Das geht natürlich nicht nur Eltern so, aber mit Kindern sind die Listen einfach so extrem lang. Das liegt auch am Anspruch, der heute an Eltern, speziell an Müttern gestellt wird. Freizeitgestaltung, Kindergeburtstage… da liegt die Latte sehr hoch und das setzt Frauen unter Druck.

 

Wir müssen Familienarbeit neu organisieren – aber das können wir nicht allein. Welche strukturellen Veränderungen braucht es, damit die Last nicht nur bei den Eltern bleibt, sondern Politik und Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen?

 Ich würde sagen, wir sollten vor allem hochwertige und verlässliche Kinderbetreuung ausbauen. Dazu braucht es auch eine Aufwertung des Erzieher:innenberufs und eine entsprechende Bezahlung. In Unternehmen sollte bei Erwerbsarbeit Care-Arbeit mitgedacht werden. Welche Arbeitsmodelle sind für Eltern oder Menschen, die Angehörige versorgen, geeignet? Meetings nach 15 Uhr sind zum Beispiel für viele Väter und Mütter schwierig. Die Forderung nach der 40-Stundenwoche ist meiner Meinung nach nicht nachhaltig, weil es die Care-Arbeit nicht mitdenkt.

 

Sie fordern neue Arbeitszeitmodelle für Väter, bessere Kinderbetreuung und eine echte Gleichberechtigungspolitik. Wo sehen Sie aktuell die größten Baustellen – und was müsste sich als Erstes ändern? Sind wir auf einem guten Weg oder erleben wir gerade einen Rückschritt?

Tatsächlich ist die größte Baustelle der Gender Care Gap, also die Tatsache, dass Frauen die meiste unbezahlte Arbeit übernehmen. Aktuell sehe ich sogar ein paar Rückschritte, weil die politische Richtung sehr konservativ ist. Ich finde, wir brauchen ein Ministerium für Gleichberechtigung, nach skandinavischem Vorbild. Da läuft vieles anders, weil Gleichberechtigung als Chance und Fortschritt betrachtet wird.

 

Gleichberechtigte Arbeitsteilung in der Familie klingt oft wie eine Raketenwissenschaft. Was können Unternehmen konkret tun, um Eltern und pflegende Angehörige zu entlasten?

Beratungsangebote schaffen. Denn es stimmt: Die Arbeitsteilung ist ganz schön kompliziert. Wie können sich Frauen aktiv von Verantwortung befreien, um mehr Ressourcen für sich und für den Beruf zu haben, und wie können im gleichen Zuge Männer mehr Verantwortung übernehmen? Dazu braucht es die Motivation von Politik und Unternehmen, weil es für Einzelpersonen sehr schwer ist, sich da allein durchzukämpfen.



Laura Fröhlich

Familie als Team

rowohlt/Polaris

bereits erhältlich

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