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Kinotipps der Woche: Drei Kameradinnen und Der mit dem Wolf tanzt

Unsere Kinotipps ab 05.11.2026: „Drei Kameradinnen“, „Der mit dem Wolf tanzt“ – mit Neustart und Wiederaufführung.

Drei Kameradinnen

Kinostart: 05.11.2026

Eine Freundschaft braucht keine Erklärung. Bis andere anfangen, Fragen zu stellen. Kasih, Saya und Hani kennen einander seit ihrer Kindheit; ihre gemeinsame Geschichte reicht weiter zurück als die Urteile, die sich Außenstehende über sie bilden. Als sie zur Hochzeit einer Freundin in ihre frühere Siedlung zurückkehren, könnte das ein Wiedersehen zwischen Vertrautheit und Fremdwerden sein. Dann brennt ein Mehrfamilienhaus, Menschen sterben, und Saya wird festgenommen. Plötzlich steht nicht mehr nur eine Tat zur Debatte. Es geht darum, wer diese Frauen sein dürfen.

Milena Aboyan verfilmt Shida Bazyars Roman „Drei Kameradinnen“ und rückt damit ein Motiv ins Zentrum, das weit über den konkreten Kriminalfall hinausweist: die Macht der Erzählung. Kasih soll für eine Fernsehreportage das Leben ihrer Freundin rekonstruieren. Doch Erinnerungen fügen sich selten so ordentlich zusammen, wie es ein journalistischer Beitrag verlangt. Was bedeutet ein politischer Standpunkt, wenn er bereits als Verdachtsmoment gelesen wird? Wie erzählt man von Gewalt, wenn das Gegenüber vor allem nach einer Erklärung für die vermeintlich verdächtige Person sucht?

Die Ausgangslage verbindet die Nähe einer Freundschaftsgeschichte mit den Zumutungen einer öffentlichen Befragung. Hinter der Frage nach dem Brand steht ein Alltag aus Ausgrenzung, rassistischen Zuschreibungen und rechtem Terror. Hani, Kasih und Saya teilen diese Erfahrungen, ohne deshalb dieselben Menschen zu sein. Gerade darin liegt der interessante Ansatz der Vorlage: Zusammenhalt entsteht zwischen eigenständigen Persönlichkeiten, nicht zwischen austauschbaren Stellvertreterinnen.

Nach „Elaha“ arbeitet Aboyan erneut mit Bayan Layla zusammen; außerdem spielen Manal Raga a Sabit und Brikena Ray. „Drei Kameradinnen“ empfiehlt sich als Kinoanlass für ein Gespräch darüber, wie schnell aus einer Biografie eine Schlagzeile wird. Und darüber, was Freundschaft schützen kann, wenn die Öffentlichkeit längst zu wissen glaubt, wer schuldig ist.

Der mit dem Wolf tanzt (WA)

Wiederaufführung: 05.11.2026

Zunächst ist da die Entfernung. John Dunbar lässt den amerikanischen Bürgerkrieg hinter sich und kommt an einen entlegenen Außenposten. Der Offizier begegnet einer Landschaft, die größer ist als seine bisherigen Gewissheiten. In Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ wird aus diesem Ortswechsel eine Geschichte darüber, wie sich der Blick auf andere Menschen verändert, wenn man aufhört, sie nur aus der Distanz zu betrachten.

Costner führte Regie und übernahm die Hauptrolle. Sein Film von 1990 erzählt von Dunbars Annäherung an eine Gemeinschaft der Lakota, von vorsichtigen Begegnungen, wachsendem Vertrauen und einer Zugehörigkeit, die seine bisherige Rolle infrage stellt. Mary McDonnell spielt die als Kind von den Lakota aufgenommene „Steht mit einer Faust“. Zwischen ihr und Dunbar entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die persönliche Nähe mit kultureller Vermittlung verbindet.

Zur Wiederbegegnung lädt vor allem die Dimension des Films ein. Landschaft, Musik und die Zeit, die eine Annäherung benötigt, gehören zu seiner Erzählweise. Auf der großen Leinwand lässt sich nachvollziehen, weshalb dieser Western für viele Menschen zu einer prägenden Kinoerinnerung wurde. Seine sieben Oscars, darunter die Auszeichnungen für Film und Regie, markieren auch die große Aufmerksamkeit, die er seinerzeit erhielt.

Heute eröffnet sich zugleich ein weiterer Blick. Dass eine Geschichte über die Lakota ausgerechnet einen weißen Offizier ins Zentrum stellt, gehört zu den Fragen, die eine erneute Sichtung begleiten können. Welche Perspektive führt durch das Geschehen? Wer bekommt Gelegenheit, sich selbst zu erklären? Die Rückkehr eines bekannten Films ist auch eine Möglichkeit, das eigene frühere Sehen zu überprüfen.

„Der mit dem Wolf tanzt“ verbindet die Wucht eines historischen Epos mit einer persönlichen Suche nach Heimat. Für ein Publikum, das ihn beim ersten Kinostart gesehen hat, kann die Wiederaufführung deshalb mehr sein als Nostalgie. Man begegnet einer vertrauten Geschichte mit zusätzlichen Lebensjahren und anderen Fragen. Die Landschaft ist dieselbe geblieben. Der eigene Blick vermutlich nicht.